Die 4. Welt: Leseprobe

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    "Die Entdeckung": Kapitel III.

    Nach nur einem Bruchteil der Zeit, den die drei brauchten, um den Südwest-Kontinent zu erreichen, kam der kleine, als solcher oft gar nicht zu deutender Hafen in Sicht, der eine gute Strecke nördlich der Stadt lag. Der dichte Nebel hatte sich jetzt am Nachmittag fast vollständig aufgelöst und die Sonne war auch hier zumindest zu erahnen. Der Frühling hat bereits seit ein paar Wochen Einzug gehalten, aber trotzdem erhob sich die Sonne nur für wenige Stunden am Tag in eine Höhe, in der sie als wärmend empfunden wurde, so dass sie die dicke Schneeschicht, die die Stadt und ihre Umgebung das ganze Jahr hindurch einhüllte, nur unwesentlich zum Abschmelzen brachte. Hinzu kam der Nebel, der immer in dieser Jahreszeit aufkam und der ein wirkungsvolleres Durchdringen der Sonnenwärme weitest­gehend unmöglich machte. Am Hafen, der nur aus einen schmalen Steg aus grob geschnittenem Holz bestand, der aufs Meer hinausführte, wartete Oleo, ein weiterer “Über­lebender”, der mit den vom Richter eingeführten Gesetzen einverstanden war, um das Schiff in Empfang zu nehmen. Weit entfernt standen dunkel gekleidete Menschen mit war­men Wollmützen hinter und neben kahlen, grauen Bäumen und versuchten erfolglos, sich unauffällig zu verhalten. Es waren Freunde Pasados, die sich nicht getraut hatten, mit ihm zu kommen und jetzt darauf hofften, dass das Schiff zurückkäme, ohne die drei gefunden zu haben.

“Siehst du sie? Das müssen sie sein”, fragte einer von ihnen, der hinter dem dicken Stamm des Baumes stand und nur den Kopf herausstreckte.

“Nein, aber das hat nichts zu sagen. Sie könnten unter Deck sein”, sagte ein mutigerer, der sich neben dem Baum aufbaute, um freien Blick zum Hafen zu haben. “Sie haben sie erwischt, diese elenden Diktatoren.”

“Wieso, woher weißt du das?”

“Sie haben ihr Schiff dabei, das siehst du doch.”

Oleo drehte sich zu ihnen um. Er wusste, wer sie waren. Er sah sie an und versuchte ein finsteres Gesicht zu ma­chen, um zu zeigen, dass hier ein Verbrechen begangen wurde und er entschlossen war, es auch zu bestrafen. Labeemo warf Oleo ein Seil zu, damit er das Schiff am Steg befestigen konnte, als es im Anlegen begriffen war.

“Seid ihr erfolgreich gewesen?”, fragte er, während er das Seil zu einem festen Knoten um einen dicken, verroste­ten Nagel zusammenzog.

Die beruhigten, zufriedenen Gesichter an Bord gaben ihm zwar die Antwort, aber er wollte sie dennoch von ihnen hören.

“Es war einfacher als erwartet. Sie haben nur Sprüche abgelassen, aber ansonsten waren sie friedlich”, sagte Labeemo, als er auf den Steg sprang, dessen im Eis einge­schlossene Bretter gefährlich knarrten und ihn erst nach einer gewandt ausgleichenden Bewegung des Oberkörpers zu einem sicheren Stand verhalfen.

Wahiwho und Nohnah holten die drei Ausreißer an Deck und Labeemo richtete die Waffe auf sie, da er die Jungs hinter dem Baum bemerkte und ihnen ein abschre­ckendes Beispiel geben wollte.

“Das sind Kumpane von Pasado. Eine ganz durch­triebene Bande. Die werden die nächsten sein, die ihr zu­rückholen müsst”, meinte Oleo. “Sie meinen immer, sie bleiben unbemerkt, aber so dumm, wie sie sich anstellen, glaube ich beinahe, sie wollen gesehen werden.”

“Ich kenne sie gut. Es sind harmlose Kinder, die nur auf dumme Ideen kommen, wenn sie jemand dazu anstiftet.”

“Und ich ich weiß auch schon, wer”, meinte Nohnah.

Die kleine Gruppe wechselte zwischen einem Versteck hinter dem Baum und einem offenem Präsentieren auf der Ebene.

Habt ihr die restlichen Schiffe auf dem Schrottplatz verbrannt?”, fragte Labeemo.

“Nichts, außer einem nutzlosen rauchenden Haufen Asche ist mehr übrig”, sagte dieser stolz.

“Dann nimm dir dieses da und mach ebenfalls Brenn­holz daraus, damit niemand mehr auf Ideen kommen kann. Ausflüge, wie diese sind immer auch Anreiz für diese Banden da oben, es ihnen gleich zu tun. Wir wollen kein Risiko eingehen.”

Ein schwungvoller Daumen zeigte auf das zähe kleine Schiff, das die lange Fahrt so gut wie unbeschadet über­standen hatte.

“Alles klar! Dein Wunsch ist mir Befehl”, sagte Oleo, ob des zu erwartenden, erwärmenden Feuers und kletterte die Strickleiter hoch auf das Schiff, nahm das Seil, mit dem das Boot festgemacht war und zog es zu sich heran, um mit ihm zum Schrottplatz zu fahren, der hinter einem kleinen Hügel die Küste hinauf gelegen war.

“Bringt sie an Land”, sagte Labeemo, um noch einmal nachdringlich mit seinem Gewehr zu fuchteln.

Pasado sah in der Ferne seine Freunde um die Bäume versammelt und schämte sich, es ihnen nicht bewiesen zu haben, dass er das unbekannte Land erreichen konnte. Er hätte ein Held werden können. Aber er fasste schon einen weiteren Versuch ins Auge. Mit der Gewissheit, dass der Kontinent auf der Karte wahrhaftig real war, war es ein Leichtes, zumindest Vessagriy und Vihano zu überreden. Sie waren einfältig, gutgläubig und seiner intensiv-feurigen Argumentation wehrlos ausgesetzt. Wenn er etwas von ih­nen wollte, konnte er seine Überredungskunst in Höhen steigern, die ihn selbst oft verblüfften und noch mehr, als ohnehin schon von sich eingenommen machten. Aufgrund der Karte, die er zwar nicht mehr in seinem Besitz hatte, die aber das Potential besaß, ein hartnäckiges Gerücht zu werden, das im Dorf seine Kreise ziehen würde, konnte er auch einige von denen, die bisher gezweifelt haben, ob noch ein Kontinent außer ihrem eigenen existierte, über­zeugen, sich ihm anzuschließen.

 

"Die Große Hauptstadt": Kapitel II. 

Tiamat hatte sich seine weiße Uniformjacke mit den zwei goldenen Seitenstreifen, die seinen militärischen Rang symbolisierten, über die Schulter geworfen. Zu warm brannte die Nachmittagssonne vom makellos blauen Himmel. Der dritte Ring, in dem sein Haus stand, war die vornehmste Wohngegend der Hauptstadt. Wer ihn sein zu Hause nennen durfte, trug zumeist ein zufriedenes und befreites Lächeln auf den Lippen, speziell, wer Gäste aus den äußeren weniger bevorzugten Ringen zu Besuch bei sich geladen hatte. Die beeindruckenden Ausmaße der Villen und ihre üppig bewachsenen und großzügig be­messenen Grundstücke ließen nur eine begrenzte Anzahl besonders gut situierter Stadtbewohner in den Genuss eines Anwesens in diesem Ring kommen. Er hatte als Kind mit seinen Eltern in einem der äußeren Ringe gewohnt, in denen die Häuser wesentlich kleiner waren, enger zu­sammen standen und bei weitem schlichter in der Aus­stattung. Erst nach der Heirat mit Salia wurde ihm, auf­grund des nicht zu gering einzuschätzenden Einflusses ihres Vater bei der Bewilligungskommission, als Verwalter des legendärsten Weinberges des Kontinents, ein Haus im Dritten zugeteilt.

Die breite, marmorne, mit eingelegten Mosaiken aus seltenen Edelsteinen geschmückte Straße war, wie fast immer, völlig verweist. Viele Familien haben sich für die Zeit des Frühlings auf ihren Landsitz zurückgezogen oder haben die früher als üblich einsetzende Wärme für einen Ausflug an einen der ungezählten Seen in der Umgebung genutzt. Nur in einigen Vorgärten knieten sich Männer in langen Arbeitshosen auf die Erde und schnitten die Kanten des Rasens mit einer so unfassbar kleinen Schere, dass Ti­amat sich eine überhebliche Erheiterung nicht verkneifen konnte.

“Wieder zurück von ihrem Testflug!?”, fragte ihn der Mann, der mit seiner Frau und zwei Kindern, ihm gegen­überwohnte, als er die restlichen Grashalme weggeblasen hatte und versuchte, aufzustehen. “Ich hoffe, es ist alles gut gegangen?”

Er fasste an seinen Rücken und machte kurzzeitig ein schmerzverzerrtes Gesicht. Er machte ihm durch stechende Schmerzen ständig zu schaffen, was ihn aber nicht davon abhielt, sich stundenlang gebückt zu halten oder auf den Knien über seinen geliebten Rasen zu rutschen.

“Alles bestens”, antwortete Tiamat.

Er verzichtete auf ein genaueres Eingehen auf Details, da er wusste, dass er bei ihm kein wirkliches Interesse stoßen würde. Seine Worte hallten zwischen den me­tallenen Wänden der Umfassungsmauern wider und ver­stärkten so noch den Eindruck der Verlassenheit und Leere.

“Das konnte ich mir auch nicht anders vorstellen. An unsere Technik kommt eben nichts heran. Da muss sich Ar­juna schon mächtig anstrengen, um ihr das Wasser reichen zu können”, sagte der Nachbar und kniete sich wieder an die störrische Kante seines Rasens.

“Da mögen sie recht haben”, sagte Tiamat.

“Wie ich es hasse, wenn das Gras bis auf die Straße hin­auswächst. Wie sieht denn das aus? Unmöglich. Jäger er­finden, mit denen man einmal um die ganze Welt fliegen kann, dass können sie, aber ein Mittel, das verhindert, den Rasen über eine gewisse Länge nicht hinauswachsen zu lassen, hat noch keiner zustande gebracht. Darüber sollten sie sich Gedanken machen. Das wäre endlich mal eine sinn­volle Erfindung.”

Tiamat konnte sich nicht mehr erinnern, seit wie vielen Jahren er sich über das zu wild wuchernde oder das zu klägliche Wachstum seiner Pflanzen beschwerte. Aber das gehörte zum dritten Ring, wie die selbstgezüchtete Rasse von Pfauen mit den besonders großen und bunten Federn, die die alte Darimana in ihrem Garten hielt und die mit ih­rem Geschrei die Nachbarschaft nächtelang wachhielt und an deren dünnen langen Hals er schon des öfteren eine kräf­tige Hand anlegen wollte. Oder die sieben pubertierenden Kinder Monaras, die die Verursachung des höchsten Sach­schadens der Stadt für sich verbuchen konnten und deren laute und rücksichtslos ausgeführten Wurf- und Ballspiel die Gärten und Fensterscheiben der Anwohner in arge Mit­leidenschaft zogen.

Nichts Einschneidendes hatte sich seit ihrem Einzug verändert. Die Starrheit und Unveränderbarkeit, die sich seinem suchenden Blick Jahr um Jahr darbot, kroch nach Tagen ununterbrochenen Aufenthaltes in ihr unaufhaltsam in seinen Kopf und lähmte seine Motivation und seine An­triebskraft. Wenn es soweit gekommen war, was er unter allen Umständen zu vermeiden suchte, war ein Flug mit Chenmes, dessen derbe Ausdrucksweise und drauf­gängerische Unverschämtheiten allem und jedem gegen­über, genau das Richtige, um sich wieder aufgeweckt und erfrischt zu fühlen. Salia und vor allem ihre Mutter hatten keine Schwierigkeiten, in der Unbeweglichkeit und der ständigen Wiederholung derselben Rituale ihren Platz zu finden. Für sie war es ein Zeichen vornehmer Zurück­haltung und der von ihnen geförderten Aufrechterhaltung althergebrachter und bewahrenswerter Tugenden.

 

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