Die 4. Welt: Platon Texte

Die 4. Welt: Platon Texte

 

 

Platons bekannteste Texte

Apologie

Die Apologie des Sokrates wurde von Platon verfasst. Sie enthält die Verteidigungsrede des Sokrates zur Anklage der Gotteslästerung und der Verführung der Jugend.

Unter "Apologie des Sokrates" wird die Verteidigungsrede des Sokrates verstanden, die dieser während seines Prozesses hielt. Nach dem Tod des Sokrates entstand eine Unzahl von Apologien, deren Urheber nicht nur seine Schüler waren. Die meisten sind verschollen. So zum Beispiel auch die des Lysias. Die Unterschiede zwischen den beiden als einzige erhaltenen Apologien (der des Xenophon und der des Platon) lassen erahnen, wie unterschiedlich die weiteren Apologien gewesen sein könnten. Wenn die Schriften über Sokrates etwas beweisen, dann, dass wir uns auf keine überlieferte Nachricht über diesen Mann verlassen können.

Platons "Apologie" zufolge hat sich in Athen um Sokrates folgendes ereignet: Sokrates wurde vor einem Volksgericht (Dikasterion) aus 501 zu Richtern berufenen Bürgern angeklagt. Ankläger in diesem öffentlichen Verfahren waren Meletos, Antyos und Lykon. Die Anklage lautete auf Asebie (Frevel wider die Götter) und auf "Verderbung der Jugend". Sokrates wurde mit knapper Mehrheit für schuldig befunden und anschließend zum Tod durch den Schierlingsbecher verurteilt. Das griechische Rechtssystem sah vor, dass zunächst über die Frage der Schuld entschieden werden musste und anschließend über die der Strafe. Die "Apologie" des Platon gliedert sich demnach in drei Teile: in eine Verteidigung gegen die Anklage, in eine Rede zum Strafmaß und eine abschließende Intervention seitens Sokrates, nachdem die Todesstrafe verkündet wurde. Am Anfang der "Apologie" weist Sokrates darauf hin, dass der Prozess gegen ihn eigentlich schon seit Jahren läuft, nämlich in Form übler Nachrede vieler Athener gegen ihn. Nach dieser psychologisch überaus geschickten Einleitung berichtet Sokrates über seine - wie er glaubt - Berufung durch Apollon. (Nämlich durch seine tägliche Diskussion mit den Athenern, den Orakelspruch von Delphi, der besagt, dass Sokrates der Weiseste aller Menschen sei, in der Praxis zu beweisen oder zu widerlegen.) Sodann widmet er sich der Widerlegung der beiden Anklagepunkte. Sokrates führt die Argumente seines Anklägers Meletos, der sich auf die Asebie konzentriert hat, ad absurdum, was seinen Höhepunkt in einem kurzen aber sehr typischen Dialog zwischen Sokrates und seinem Ankläger hat. In der Rede über das Strafmaß weigert sich Sokrates zunächst, eine milde Strafe zu erbitten, da er ja der Auffassung ist, unschuldig zu sein. Anschließend beantragt er, ohne den Pragmatismus zu verbergen, eine geringfügige Geldstrafe. In der dritten Rede äußert sich Sokrates über den Tod und die Frage, ob man sich davor fürchten müsse.

In der "Apologie des Sokrates" stellt Platon einen wesentlichen Punkt der Haltung seines Sokrates dar. Die Apologie kann somit sehr gut als Einführung in Platons Werk dienen. Für die Einschätzung des historischen Sokrates ist sie jedoch mit Vorsicht zu genießen. Platons Sokrates sagt: "Offenbar bin ich (...) um eine Kleinigkeit weiser, eben darum, dass ich, was ich nicht weiß, auch nicht zu wissen glaube." - Allerdings bleibt Platons Sokrates in den reiferen Dialogen an diesem Punkt niemals stehen, sondern dieser Punkt ist der Anfang zu einem neuen, einem besseren Wissen. Es darf angenommen werden, dass diese Haltung weit mehr von Platon stammt, als dass sie von dem wirklichen Sokrates entlehnt sei. Bei Platon ist jedenfalls die Erkennbarkeit der Welt und das Wissenkönnen nicht geleugnet. Platon ist nicht identisch mit seiner Kunstfigur, dem Sokrates. Außerdem sind die Aussagen, die Platon in seinem Werk trifft, grundsätzlich didaktischer Natur. Es geht immer eher um eine Haltung oder ein Prinzip als um Tatsachen oder eine abgeschlossene Theorie.

Platon stützt die häufig wiederholte These, der Prozess sei eine Rache vieler Beleidigter gegen Sokrates gewesen, weil dieser den Athenern in vielen Gesprächen ihre Fehler und Schwächen aufzeigte. Mit großer Wahrscheinlichkeit war dem so, aber man darf ebenfalls nicht vergessen, dass Athen das Pflaster politischer Kämpfe war und gerade aus dem Umkreis von Sokrates viele Personen kamen, die der bestehenden Ordnung Athens die Existenzberechtigung absprachen und vielfach mit Sparta in Bündnissen standen. Es ist also durchaus vorstellbar, dass - wie das ja oft in der Geschichte passiert - der Prozess gegen Sokrates sozusagen ein "Stellvertreterprozess" war. Eine andere - und möglicherweise wahrheitsgetreuere - Sicht auf den historischen Sokrates bieten "Die Wolken" von Aristophanes.

Platonische Dialoge, die mit der "Apologie" in direktem Zusammenhang stehen, sind "Kriton", "Phaidon" und "Eutyphron".



Protagoras

Protagoras bezeichnet einen Dialog von Platon und ist nach dem gleichnamigen Sophisten benannt. Das vermutlich um 388/7 v. Chr. entstandene Werk thematisiert den Begriff der Arete. Sokrates diskutiert dabei unter anderem mit Protagoras von Abdera die Fragen, ob Tugend lehrbar ist und ob sie eine Einheit darstellt. Dabei wird Sokrates die Frage auf, ob Handlungen wider besseres Wissen möglich seien.



Ion

Der Ion gehört zu den frühen Dialogen Platons und entstand nach 399 v. Chr..

Im Ion wird ein Zwiegespräch zwischen Sokrates und Ion, dem ephesischen Rhapsoden, geführt. Der Vortragskünstler kommt von dem Asklepiosfest in Epidauros, wo er auf dem Rhapsodenturnier Sieger wurde, weil er — wie er selber sagt — Homer nicht nur großartig vorzutragen weiß, sondern über ihn auch mit einer unerreichbaren Schönheit zu sprechen versteht. Sokrates fängt nun an, ihn schalkhaft auszufragen; auf seine Fragen gesteht der sehr naive und beinahe kindlich selbstzufriedene Ion, dass er bei der Erwähnung anderer Dichter, zum Beispiel Hesiods, unempfänglich bleibt und nur durch Homer derart in Feuer und Flamme versetzt wird, dass er im Nu so vielerlei von ihm zu sagen weiß, wie kein anderer. Bei näherer Betrachtung erweist sich also sein Können als sehr einseitig und wenig begründbar. Sokrates beweist schließlich, daß die wunderbare Fertigkeit Ions sich nicht auf ein Wissen gründen kann, weil er dann über alles, was in den Bereich der Dichtung fällt, zu reden wüßte; sondern sie ist eine göttliche Gabe, Inspiration, von der er gleichsam trunken spricht. Auch die Dichter verstehen sich nur auf bestimmte Kunstgattungen: ihre Werke zu beurteilen aber vermögen sie nicht einmal so gut, wie der Laie. Auch sie dichten nicht auf Grund eines Wissens, sondern der Inspiration. Dem Magnetstein ähnlich, der einen Eisenring anzieht und so magnetisiert, dass sich an diesen wieder ein Ring hängt, an diesen wieder einer und so weiter, hängt der Dichter an der Muse, der Rhapsode, der Schauspieler, der Chorsänger am Dichter, das Publikum am Vortragenden. Eine zweite Frage ist, worüber Ion von den Aussagen Homer so gut zu urteilen weiß? Über das Wagenrennen kann der Wagenlenker, über die Pferde der Pferdepfleger, über das Weben können die Frauen eine gründlichere Meinung äußern. Ion behauptet schließlich, er spräche über die Kämpfe und die Kriegführung am besten und in ihm als Rhapsoden und dem Sohne des Athen unterworfenen Ephesos wäre ein hervorragender Heerführer verloren gegangen, weil er auf diesem Gebiete nicht geltend werden kann. Nachdem der schalkhafte Sokrates Ion so weit gedrängt hat, sich so weit aufzuschwingen, bringt er ihn schließlich mit einer geschickten Wendung dahin, anzuerkennen, dass er kein ungerechter Kunstverständiger, sondern ein von Gott inspirierter Lobredner Homers ist.

Goethe hielt diesen kleinen Dialog für „töricht“. Doch klingen im Dialog Themen an (Dichterinterpretation, Verhältnis von Dichtung und Philosophie, Enthusiasmus), die für Platon von grundsätzlicher Bedeutung sind und in der Poetiktradition kontrovers diskutiert wurden.



Phaidon

Platons Dialog Phaidon schildert das letzte Zusammentreffen Sokrates mit seinen Freunden. Dieser platonische Dialog ist zeitlich und thematisch an die Apologie des Sokrates angelehnt, gehört aber zu den mittleren Schriften, in denen die Ideenlehre im Mittelpunkt steht. Schriften aus dieser Periode sind außerdem das Symposion, der Phaidros und Politeia II - X. Auf die Bitte des Pythagoreers Echekrates berichtet Phaidon diesem von den letzten Stunden Sokrates und von dem letzten Gespräch: der Argumentation vom Fortleben der Seele. Phaidon selber gründete nach Sokrates Tod eine Philosophenschule in Elis und schrieb sokratische Dialoge.


Ausgehend von seinen durch die Fesseln schmerzenden Hände, denkt Sokrates über das eigenartige Verhältnis von Lust und Schmerz nach, um dann zu dem Schluss zu kommen, dass der Philosoph gerne sterbe. Der Bestürzung des Kebes über diese Äußerung wird durch das Argument begegnet, dass die Seele weiter fortlebe und deshalb der Philosoph ja im Tode das Ziel seines Strebens erreicht habe - Unabhängigkeit. Doch da Kebes mit dieser Erklärung nicht zufrieden ist, erläutert Sokrates seine Äußerung durch die Erzählung von der Wanderung der Seele durch den Hades und vom Vergehen und Entstehen in der Natur. In dieser Argumentation spielen sich pythagoreische und heraklitische Einflüsse wieder: wie das Kalte aus dem Warmen entstehe oder das Wachende aus dem Schlafenden, so entstehe das Leben aus dem Tod. Dieser Gedanke der Seelenwanderung steht in dieser Argumentation in Verbindung mit dem Begriff der Wiedererinnerung, der Anamnesis, die insbesondere im Dialog Menon dargelegt wird. Als dritter wichtiger Beweis wird die Ähnlichkeit der Seele mit dem unsichtbar Beständigen aufgeführt. Sokrates unterscheidet hier zwei Formen des Seins, deren Beschaffenheit grundsätzlich verschieden ist: Sinnendinge und Ideen.

Die Ideenlehre im Phaidon
Da weder der Phaidon, noch ein anderer Dialog, eine Begründung der Ideenlehre enthält, bleibt es dem Leser überlassen, die Begründung zu rekonstruieren. Im "Phaidon" sind dafür die Abschnitte 72 e - 79 e und 95 e - 105 b wichtig. Zwei Themenfelder übernimmt die europäische Philosophie allerdings von Platon: die von Leib und Seele, sowie die von Sinnendingen und Ideen. Im Phaidon werden beide Themenkomplexe behandelt, denn er handelt von der Erkenntnis der Ideen, um die Unsterblichkeit der Seele zu beweisen.

Zitate aus Platons Schriften lassen sich zu der These verdichten, dass Platon an einer rationalen Erkennbarkeit der Ideen letztlich zweifelt. Seine Schriften lassen keinen festen Standpunkt erkennen. So ist die Ideenlehre mehr das Produkt der Rezeption, denn der Philosophie Platons.

Kurz gefasst kann gesagt werden, dass sich der Begriff der Idee als Vermittlung zwischen Welt als Wirkung und einer letzten Ursache des Seins verstehen läßt. In dem Sinne kann natürlich nur im übertragenen Sinne von einem Ideenhimmel oder dergl. gesprochen werden. Vom ontologischen Status der Ideen wird im Dialog Phaidon nicht gesprochen.

Wirkung
Der Dialog ist ähnlich wie die Apologie sprachlich und bezüglich der Person Sokrates literarisch sehr schön und lesenswert. Wohl aus diesem Grund ist dieser Dialog neben dem Menon, der Apologie und dem Symposion einer der bekanntesten Dialoge Platons. Seine Wirkung entfaltet er insbesondere durch den bekannten Argumentationsgang von dem Weiterleben der Seele nach dem Tod. Hatte Sokrates in der Apologie noch gesagt

„Nun aber ist die Zeit gekommen uns zu trennen, ich als derjenige der sterben wird, ihr als die, die weiterleben werden. Wer von uns den bessern Weg geht, dass bleibt allen verborgen, außer dem Gott.”
nimmt er hier im Phaidon eine wesentlich zuversichtlichere Haltung bezüglich des Weiterlebens der Seele nach dem Tode ein.

Platons Dialog erscheint beim ersten Lesen als eingängig und klar, allerdings verbirgt sich hinter dem lockeren Dialog eine sehr schwierige und logisch komplizierte philosophische Konstruktion. Daher sind in neuerer Zeit verschiedene Kommentare zu einzelnen Dialogen geschrieben worden, die dem Leser die Möglichkeit geben, sich den Themen Platons nach Gesichtspunkten neurer Forschung zu nähern. So wird zwar der Argumentation des Sokrates heute viele logische Fehler nachgewiesen, allerdings wird die These vertreten, dass Platon diese Fehler bewusst inszeniert, um seine Leser zu gründlicherem Nachdenken zu veranlassen. Häufig wird durch eine zu sehr vereinfachende Darstellung der Ideenlehre Platons, der Eindruck vermittelt, es handele sich hier um ein starres Konzept ontologischer Ordnungen - dass er sich aber vielmehr um das Sprachfeld einer der wichtigsten Themenfelder der Philosophie handelt, wird dabei übersehen. Nicht nur dass es keine ausformulierte Ideenlehre bei Platon gibt, dieser Begriff selber ist nachträglich auf das Konstrukt Platons gesetzt worden, weiter ist es auch nicht zulässig, die Dialogform außer Acht zu lassen, so ist der Dialog Phaidon in seiner Argumentation eher pythagoreisch, da die Gesprächspartner Pythagoreer sind. In der modernen Rezeption wird genau dieses berücksichtigt und mehr auf die Entfaltung eines Grundproblems hingewiesen, denn als auf eine feststehende Ideenlehre.



Hippias Maior

Der Titel Hippias Maior oder auch Hippias I. bezeichnet einen Dialog Platons zwischen Sokrates und dem Sophisten Hippias von Elis. Beide unterhalten sich über das Schöne. Der Dialog endet ohne Einigung in der Sache mit dem Unmut des Hippias und der Erkenntnis des Sokrates, dass alles Schöne schwierig sei.

Hippias Maior in: Platon, Sämtliche Werke (deutsch), Bd.I. Hamburg 1994.

Symposion (Das Gastmahl)

Das Gastmahl des Platon ist der Bericht des griechischen Philosophen Platon über ein Symposion (=Trinkgelage, eigentlich Zusammenkunft). Das Symposion gilt als einer der mittleren Dialoge Platons und entstand um ca. 380 v. Chr.

Inhalt

Der junge Tragödiendichter Agathon hat während der Dionysosfeiern 416 v. Chr. einen Preis errungen. Aus diesem Grund treffen sich Freunde und Bekannte unter ihnen Alkibiades, Aristophanes und Sokrates zum gemeinsamen Feiern. Thema des Gespräches ist Eros. Berühmt ist die Rede des Alkibiades über Sokrates. Die zentrale und längste Rede wird von Sokrates vorgetragen, stammt aber ursprünglich von Diotima von Mantinea. Dies ist die einzige überlieferte Rede einer Frau in dem von Männern dominierten Kreis. Bekannt ist weiterhin Aristophanes' Rede von den Kugelmenschen.

Der Verlauf des Gespräches lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Als erstes spricht der junge Phaidros, der schon aus dem platonischen Dialog "Phaidros" bekannt ist und wohl der Geliebte Eryximachos war. Er verkörpert die traditionelle Rolle und erzählt das bisherige, durch Mythen entstandene Weltbild. Dann vertritt der sophistisch geschulte Pausanias (reich, Hochadel), der aus Platons Dialog "Protagoras" bekannt ist, das Bild eines zweifachen Eros, das eine Unterscheidung in guten und schlechten Eros bedingt. Nach ihm spricht der Arzt Eryximachos und erläutert die naturwissenschaftliche Seite, nach der stets ein rechtes Maß zwischen den beiden Formen des Eros gefunden werden muss. Die Rede des Komödiendichters Aristophanes stellt den Wendepunkt der Gespräches dar, sie ist die Brücke zwischen den bekannten und den neuen Auffassungen. Aristophanes erzählt den (erfundenen) Mythos von den zweigeschlechtlichen Kugelmenschen, die durch den Zorn der Götter geteilt wurden und nun stets nach ihrer verlorenen Hälfte suchen und streben, wodurch die Liebe entstand. Der Tragödiendichter Agathon schildert anschließend in höchst künstlerischer, rhetorisch vollendeter Form seine philosophisch eher wertlose Sicht auf Eros. Schließlich legt Sokrates eine revolutionäre Meinung dar und widerlegt die Argumentationen seiner Vorredner, indem er deren Fehler und Lücken aufzeigt und den schönen Schein der Reden als Verdeckung von Unwahrheit entlarvt. Diotima lehrte ihm das Bild des Eros als Mittler zwischen Menschlichem und Göttlichem, zwischen Erscheinungen und Ideen hin zur höchsten Idee des Guten und Schönen. Am Ende tritt der schöne aber gänzlich betrunkene Jüngling Alkibiades auf. Dieser wird von allen begehrt, er selbst ist jedoch nur an Sokrates interessiert. Er erzählt wie Sokrates seinen Trieben zu ihm widerstanden hat und damit als lebendes Beispiel eines "ergriffenen" Menschen etabliert wird, der über die Erscheinungswelt hinausblicken kann. Das wird durch Sokrates anschließend mit unter Beweis gestellter Trinkfestigkeit unterstrichen.

Die literarische Qualität in Stil und Aufbau, machte das Symposion zu einem der bekanntesten Dialoge Platons. Die Wirkungsgeschichte des Werkes reicht bis in unsere Zeit.

Politeia

Die Politeia, verfasst um ca. 370 v. Chr., gilt als das wichtigste Werk Platons und gehört zweifelsohne zu den wichtigsten Schriften in der Geschichte der Philosophie. Zentrales Thema der Politeia ist die Frage: Was ist Gerechtigkeit?

Im Dialog auftretende Personen

  • Sokrates
  • Thrasymachos, Sophist
  • Glaukon und Adeimantos (Platons Brüder)

Aufbau

Die Politeia besteht aus zwei ungleichen Teilen. Im ersten Buch, das ursprünglich als eigenständiger Dialog konzipiert war, grenzt Platon seine Position von der der Sophisten ab. Thrasymachos, ein Sophist, behauptet, dass das Gerechte nichts anderes als der Vorteil des Stärkeren sei. Platon widerlegt dies und auch die damit einhergehende Behauptung, dass der Ungerechte ein besseres Leben hätte als der Gerechte. Das erste Buch endet jedoch aporetisch, d.h. in Ratlosigkeit, man hat zwar festgestellt, was Gerechtigkeit nicht ist, jedoch keine positive Definition der Gerechtigkeit gefunden.

In den Büchern zwei bis zehn entwickelt Platon seine Idee der Gerechtigkeit. Mit dem Argument, dass sich die Dinge im Großen besser und klarer erkennen lassen als bei einem Einzelnen, behandelt Platon zunächst den gerechten Staat und überträgt die gewonnenen Erkenntnisse anschließend auf den Menschen.

Struktur des platonischen Staates

Der Staat entsteht für Platon aus Gründen der Arbeitsteilung, weil keiner von uns sich selbst genügen kann, er besteht jedoch um eines höheren Ziels willen: der Gerechtigkeit. Platons Staat ist gegliedert in den Handwerker- und Bauernstand, den Stand der Wächter und den der Regenten. Die Angehörigen dieser Stände zeichnen sich nach Platon jeweils durch besondere Eigenschaften ("Tugenden") aus.

Weil vor der Geburt den Menschen unterschiedliche Fähigkeiten zugeteilt wurden (Lachesis-Mythos), entscheiden die Wächter und Erzieher früh, zu welchem Stand ein Kind gehören wird. Es wird den Eltern weggenommen und unter völliger Gleichberechtigung von Buben und Mädchen von Erziehern herangezogen. (Nicht-taugliche Säuglinge werden nach dem Vorbild Spartas umgebracht.) Die Regeln der Erziehung werden lange erörtert, wobei alle Menschen die gleiche Erziehung durchlaufen, mit dem einzigen Unterschied, dass die Menschen, die in den Nährstand (Bauern, Handwerker usw.) kommen, die Ausbildung ab einem gewissen Punkt beenden, während diejenigen, die für den Wehrstand (Wächter) geeignet sind, die allgemeine Ausbildung zu einem späteren Zeitpunkt beenden - und die Regenten die Erziehung bis zum Ende durchlaufen. Danach sind sie automatisch Regenten.

Gerechtigkeit im Staat

Platon fragt nun nach der Gerechtigkeit: In seiner Argumentation geht er aus von der Annahme: Wenn die Stadt richtig angelegt ist, dann ist sie auch vollkommen gut. Vollkommen gut heißt weise, tapfer, besonnen und gerecht. Wodurch ist nun eine Stadt weise zu nennen, fragt er. Weise ist sie durch die Weisheit der Regenten. Tapfer hingegen müssen in erster Linie die Wächter sein. Tapferkeit ist, so lässt Platon Sokrates argumentieren, eine Art von Bewahren, nämlich der vom Gesetz durch die Erziehung eingepflanzte Meinung über das, was man zu fürchten hat und wie das beschaffen sei.

Besonnenheit ist die Übereinstimmung des von Natur schlechteren und des besseren Teiles in der Frage, welcher von ihnen in der Stadt und in jedem einzelnen Menschen zu regieren habe. Die Besonnenheit muss daher beiden, den Regierenden und Regierten in der Stadt innewohnen, besonders aber den Regierten.

Gerechtigkeit besteht, so schließt Sokrates seine Argumentation, nun schlicht darin, dass jeder das Seine tut, wenn also der Regentenstand weise ist, die Wächter tapfer und die Regierten besonnen.

Gerechtigkeit beim Menschen

Mit der Gerechtigkeit des Einzelnen verhält es sich analog: Die Seele des Menschen besteht aus drei Seelenteilen, dem vernünftigen (logistikon), dem muthaften (thymoeides) und dem begehrenden (epitymetikon).

Genau wie die einzelnen Stände im Staat müssen auch diese Seelenteile in Harmonie zueinander stehen. Der vernünftige Seelenteil muss die anderen durch seine Weisheit lenken, das muthafte Element, der Wille, muss durch die Tapferkeit die Beschlüsse des ersten vollziehen, und alle müssen darin übereinstimmen, dass der Vernunft die Regentschaft zukommt.

Philosophenkönige

Wenn nicht entweder die Philosophen Könige werden [...] oder die, die man heute Könige nennt, echte und gründliche Philosophen werden, und wenn dies nicht in eines zusammenfällt: die Macht in der Stadt und die Philosophie [...] so wird es mit dem Elend kein Ende haben.[...] Denn es ist schwer einzusehen, dass nur in einer solchen Stadt das Glück für den einzelnen und die Gesamtheit zu finden sein sollte. (473d) In diese Worte fasst Platon seine Forderung, die Philosophen sollten den Staat regieren. Wie kommt er dazu? Platon erklärt dies in mehreren Gleichnissen, in denen er seine Lehre von den Ideen, den Urbildern darstellt (siehe auch Ideenlehre, Höhlengleichnis).

Die Welt ist für Platon zweigeteilt: In eine Welt der Erscheinungen und eine Welt der Ideen. Ideen sind die Urbilder, die ewig und unwandelbar sind und die wirklicher als ihre Abbilder sind. Die Ideen sind hierarchisch geordnet, von trivialen Dingen wie der Idee des Stuhls bis hin zur höchsten Idee, des Guten, die im Sonnengleichnis der Metapher der Sonne, die durch ihr Licht alles bescheint, wachsen läßt und das Sehen ermöglicht, zugrundeliegt. Ziel des Philosophen ist die Erkenntnis, die Schau der Ideen. Nur wer diesen schwierigen Weg beschritten und am Ende die wahre Welt gesehen hat, ist nach Platon in der Lage, den Staat zu regieren. Wenn sie das Gute selbst gesehen haben, so sollen sie es zum Vorbild nehmen und danach ihr übriges Leben lang abwechselnd die Stadt und die Mitbürger und sich selbst in Ordnung bringen.

Kritias

Kritias ist ein in Dialogform verfasstes Werk des griechischen Philosophen Platon, das nach einer der darin auftretenden Personen benannt ist. In dem sokratischen Dialog wird der angeblich aus Ägypten stammende, über Solon nach Griechenland gelangte und von dessen Nachfahren überlieferte Bericht über Atlantis erwähnt.

Im Dialog auftretende Personen

  • Kritias
  • Sokrates
  • Timaios
  • Hermokrates

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