Die 4. Welt: Mohenjo Daro

Die 4. Welt: Mohenjo Daro

 

 

Mohenjo-Daro (manchmal Mohanjo-Daro oder Moenjo-Daro geschrieben) ist eine historische Stadt am Unterlauf des Indus im heutigen Pakistan ca. 40 km südlich der Stadt Larkana. Sie war von 2600 bis 1800 v. Chr. Teil der Indus-Kultur, ist danach vergessen worden und erst 1922 von britisch-indischen Archäologen (andere Quellen: 1924) wiederentdeckt worden. Geleitet wurden diese Ausgrabungen von Sir John Marshall, dem damaligen Direktor des britischen Antikendienstes. Verbunden mit den Ausgrabungen um 1950 ist der Name Sir Mortimer Wheeler. Mohenjo-Daro ist besser erhalten als das wenige Jahre vorher gefundene Harappa.

Mohenjo-Daro ist das vermutete Hauptzentrum der Harappa- oder Induskultur, einer der drei frühen Hochkulturen der Menschheit im 3. Jahrtausend vor Christus. Der Name bedeutet im modernen Sindhi „Hügel der Toten“. Mohenjo-Daro steht heutzutage als die größte erhaltene Stadt der Bronzezeit auf der Liste des UNESCO-Weltkulturerbes.

Der Ruinenhügel in der Ebene schon von Weitem zu sehen. Die westlich der Unterstadt gelegene Zitadelle ragt am höchsten – bis zu 15 Meter – empor. Vor 4500 Jahren muss das Bild noch eindrucksvoller gewesen sein, da der Indus die Ebene in dieser Zeit um mehr als 7 Meter aufgeschwemmt hat.

Entstehung und Blütezeit

Die Harappa-Kultur entwickelte sich aus den regionalen Vorgängerkulturen um Zentren wie Amri und Kot-Diji. Das Industal in diesem Gebiet ungefähr 100 Kilometer breit. Sie erlangte ihre Blüte um 2500 v. Christus und hatte zu dieser Zeit zirka 30000 bis 40000 Einwohner. Ermöglicht wurde dies durch einen kurzen, aber intensiven Innovationsschub. Dieser bestand im Wesentlichen in der Nutzbarmachung des Indus. Einerseits landwirtschaftlich, andererseits hinsichtlich eines ganzjährigen Transportweges. Da die untere Indusebene während der Überschwemmungsperiode von Juli bis Oktober auf dem Landweg nicht ausreichend erreichbar war, war dies von entscheidender Bedeutung. Erreicht wurde jene Transportfähigkeit durch enorme Plattformunterbauten, wodurch auch nahe dem Ufer des Indus gebaut werden konnte.

Weiterhin entwickelte sich in dieser Zeit eine Gesellschaftsstruktur, die den Sprung von den dezentral organisierten Dorfsiedlungen zu einem städtisch geprägten politisch-wirtschaftlichen System erst ermöglichte.

Zudem entstand eine Schrift - die sogenannte Indus-Schrift, die sich vorwiegend auf kleinen Steatitsiegeln befindet. Diese Schrift konnte bisher jedoch noch nicht entschlüsselt werden.

Ziegel heutigen Handformats (ca. 6 * 13 * 27 cm) waren Standard in der Hochkultur. Aus diesen wurden nahezu alle Gebäudeteile gefertigt – so auch die Infrastruktur mit ihrer Wasserversorgung und über 600 Brunnen sowie die Abwasserkanäle zur Entsorgung.

Wissen und Vermutungen

Einerseits ist Mohenjo-Daro die größte noch erhaltenen historische Stadt aus der Bronzezeit und viele Erkenntnisse können dadurch als gesichert bezeichnet werden. Andererseits existieren auch viele Annahmen und Vermutungen, so auch aus der Zeit der Wiederentdeckung. So wird bspw. ein enormes Gebäude (ca. 60 * 27 Meter) als Kornspeicher bezeichnet, obgleich dies keinesfalls als gesicherte Erkenntnis anzusehen ist. Es wird vermutet, dass dieses Gebäude in früherer Zeit eine gewaltige hölzerne Aufbaut besaß.

Das Unikat einer 17 cm hohen Statue wird als Priesterkönig gedeutet. Andererseits fanden sich in der gesamten Stadt (anders als bei den Hochkulturen in Mesopotamien und am Nil) keine weltliche oder sakrale Herrschaftsarchitektur. Zumindest konnte nichts durch ausreichend begründete Indizien und Fakten untermauert werden. Eine 60 * 30 Meter große Anlage wird als „Großes Bad“ bezeichnet. Im Innenhof existiert ein 7 * 12 Meter großer Bassin, welcher etwa 2 m tief in den Boden versenkt ist. Wahrscheinlich ist für diesen eine rituelle Nutzung. Doch auch dies ist keinesfalls gesichert.

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